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Villa am See
Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts

Konzert 06.05.2017 19:30 Uhr

"Chopin-Korngold, Wunderkinder des Klavier"

Pawel Kamasa (Klavier)


Die Reihe der Wunderkinder am Klavier wird mit Fryderyk Chopin und Erich Wolfgang Korngold am 6. Mai fortgesetzt.

Der Interpret ist diesmal der international hoch geachtete Warschauer Pianist und Chopin Experte Pawel Kamasa. Pawel Kamasa gab das Neujahrskonzert 2016 bei uns in der Villa am See und wir konnten Ihn zu einem Abstecher nach Premnitz gewinnen, während seiner diesjährigen Europa-Tournee.

Eine Klasse für sich, dieser ruhig und konzentriert spielende Pianist.

Der erste Teil des Konzertes ist Chopin gewidmet und beginnt mit der 1826 entstandenen Polonaise “Les Adieux“.  Kamasa stellt diese „Abschieds-Polonaise“ an den Anfang, ein 16 Jahre alter Künstler, der davon träumt, die Welt zu erobern, und der zugleich Schmerz empfindet, Eltern, Familie und das vertraute Warschau zu verlassen. Kamasa füllt das verhalten perlende Eingangsthema mit großer Innigkeit. Zugleich ist auch Neugier zu hören, die große Welt wartet auf Chopin, bei allem Heimweh. Kamasa lässt dem Publikum die Lust des jungen Chopin an solchen Empfindungen spüren. Mit den zwei folgenden Walzern, gleichfalls Jugendwerke, unterstreicht er den Charme und die lyrische, schwärmerische Seite des Künstlers.

Das erste Werk, das Chopin außerhalb Warschaus schreibt, ist das Scherzo h-moll. opus 20, im Jahr 1830/31, ein früher Höhepunkt im Schaffen Chopins. Mit seinen wilden, fieberhaften Achtel-Passagen und jähen Stimmungswechseln gehört es zu den entfesselnsten Stücken der Klavierliteratur.

Das Scherzo beginnt wie ein Aufschrei und erfährt rasante Steigerungen. Im Mittelteil eine ruhige weihnachtliche Melodie von großer inniger Schönheit und endend in einem dissonanten Akkordschlag, die ganze Bandbreite der jugendlichen Regungen wiedergebend.

Nach der Pause steht der 1897 in Brünn geborene Erich Wolfgang Korngold im Focus.

Im Habsburger Reich der K u. K Zeit, um 1900, galt Korngold ab 1910 als musikalisches Wunderkind. Seine Jugendwerke, die er begann mit nur 13 Jahren zu komponieren, überzeugten die Fachwelt wie das Publikum. Persönlichkeiten wie, Bruno Walther, Arthur Schnabel, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Richard Strauss, führten seine Frühwerke auf.

Korngolds Musik ist in ihren thematischen Ausformungen, in ihren emotionalen Wölbungen nicht allzu fern von den Arbeiten Richard Strauss. Korngold empfand sich als ein Vertreter der Moderne, der auf die Tradition aufbaut.

Bekannt sind heute einem breiteren Publikum seine in den USA entstandenen Filmmusiken, die ihm 1937 und 1939 den Oskar für die beste Filmmusik einbrachten.

Mit seiner, als 13 Jähriger, komponierten Klaviersonate Nr. 1. führt Pawel Kamasa Korngold wieder in unser Gedächtnis. Schon die ersten Takte überraschen und überzeugen, ein Charakterstück im Spannungsbogen  zwischen der älteren ausprobierten Klaviermusik und der Schwelle zum Neuen.

Die akustischen Faltenwürfe, die Wogen und Wellen einer sich gravierend verändernden Zeit, eingefangen von einem jungen großartigen Komponisten, der leider nur noch sehr selten gespielt wird.

Ein Muss für Klavierenthusiasten.