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Villa am See
Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts

Lesung 31.05.2017 19:30 Uhr

100 Jahre Russische Revolution

Jörg Friedrich, Zeithistoriker und Publizist
beschreibt Entstehung, Bedeutung und Folgen der Russischen Revolution von 1917
anschließend Klavierkonzert  ...
Ronny Kaufhold spielt:
Sergej Rachmaninow, 6 Moments musicaux für Klavier op 16

Zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution, einem Ereignis, das das Leben von Generationen, der halben Weltbevölkerung veränderte, stellt der Historiker und Publizist Jörg Friedrich die Frage:

Lenins Machtergreifung, musste das sein?

Der Ruin Europas im 20. Jahrhundert beginnt mit der Niederlage zweier Demokratien.

Weimar verlor sie in wenigen Jahren. Rasend schnell und folgenschwerer zerstörten sich die russischen Demokratiebestrebungen, die vor 100 Jahren im Februar 1917 ans Ruder kamen. Der Zar wurde gestürzt, die Parteien stellten die Regierung, Räte wurden gewählt, das ganze Land verwandelte sich in eine öffentliche Dauerversammlung. Die folgende Oktoberrevolution begründete eine Parteiendiktatur und war ein Staatsstreich.

Wäre die Weltgeschichte glücklicher verlaufen, hätte sich die Demokratie gefestigt nach der Februarrevolution 1917?

Jörg Friedrich analysiert und stellt die Geschichte in Zusammenhänge, um Antworten zu finden.

Jörg Friedrich, geboren 1944, erzielte mit seinen Büchern zur Geschichte des 20. Jahrhundert, mit seinem Buch über den Bombenkrieg gegen Deutschlands Städte, einen Welterfolg. Friedrichs umfangreiches Werk enthält historische Standarttitel, sie brachten ihm internationale Anerkennung und Auszeichnungen.

Wir freuen uns auf eine anregende Diskussion.

Nach einer Pause spielt Ronny Kaufhold: 6 Moments musicaux für Klavier op. 16. von Sergej Rachmaninow.

Rachmaninow, 23 Jahre alt, fängt 1896 die Stimmung in Russland vor der russischen Revolution ein. Rachmaninow ist nie lauwarm, sondern immer siedend heiß oder eisig kalt- extrem emotional. In den kleinen Formen der Moments musicaux, die Kaufhold genauso leidenschaftlich spielt, offenbaren sich Rachmaninows große Gefühle, es sind pianistische Miniaturen mit großer emotionaler Sprengkraft. Die 6 Moments musicaux tragen Sehnsucht in sich, unstillbares Verlangen, Jubel, Kraft, Triumph und finsteres Grübeln.

Das erste „Moment“ ist voller Melancholie- ein zartes, liedhaftes Motiv erklingt, begleitet von sanft wogenden Akkorden. Im Mittelteil steigert Rachmaninow das Tempo und formt ein virtuoses Laufwerk, bevor die Musik am Schluss zu ihrem Ursprung zurückkehrt.

Im zweiten Stück steht einem motorisch anmutenden Allegretto eine sich unaufhörlich bewegende Bass-Stimme gegenüber.

Im dritten Moment steht eine „Tristan-Miniatur“, die Rachmaninow Wagners „Tristan und Isolde“ abgelauscht hat, im Zentrum.

Nach diesen schmerzvollen Klängen folgt im vierten Stück die unbändige Leidenschaft. Ohne Unterbrechung rasen die Läufe dahin, allmählich bildet sich ein fanfarenartiges Motiv einer jubelnden Grundstimmung heraus.

Eine schlichte Melodie, die einen Hauch von Volkstümlichkeit beinhaltet, kennzeichnet das fünfte Stück.

Den Abschluss des Zyklus bildet ein jubelndes Maestoso mit rhythmischen effektvollen Taktwechseln, die sich nicht nur steigern, sondern auch ein Grübeln einleiten.

Wir laden sie herzlich zu diesem Abend ein und würden uns über ihr Kommen freuen. Die Veranstaltung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Literaturbüro in Potsdam.