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Villa am See
Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts

Lesung 13.06.2017 19:30 Uhr

Lesung und Gespräch

Stefan Hertmans liest aus seinem Buch
"Die Fremde"
Ein historischer Roman über eine zeitlose Erfahrung:
Das Leben auf der Flucht
anschließend Klavierkonzert mit R. Kaufhold

Der Schriftsteller Stefan Hertmans liest aus seinem gerade bei Hanser erschienenen Roman „Die Fremde“.

Moderiert wird die Veranstaltung von der bekannten österreichischen Literaturkritikerin Sigrid Löffler.

Stefan Hertmans, Jahrgang 1951, wuchs in Gent auf und studierte Philologie an der Universität Gent.
Er arbeitete als Lehrer für Philosophie und Kunstgeschichte an der Hogeschool in Gent und der Universität Gent, daneben hielt er kulturhistorische Vorträge in verschiedenen internationalen Kulturinstitutionen.
Stefan Hertmans publizierte Prosawerke, über ein Dutzend Lyrikbände und Essaysammlungen zu kulturgeschichtlichen und philosophischen Themen, sowie eine Reihe von Theaterstücken. Seine Texte sind mit zahlreichen internationalen Kultur- und Literaturpreisen ausgezeichnet.
Hertmans lebt in der Nähe von Brüssel und unweit des Mont Ventoux in Monieux, dem Fixpunkt seines 2017 in deutscher Sprache veröffentlichten historischen Romans „Die Fremde“.
Als Stefan Hertmans erfährt, dass seine zweite Heimat, der Ort Monieux in Frankreich, vor tausend Jahren Schauplatz eines Pogroms durch die Kreuzritter war, begibt er sich auf Spurensuche. Unter den Überlebenden soll eine junge Frau christlicher Herkunft gewesen sein. Diese historisch verbürgte Person lässt ihn nicht mehr los. Vigdis nennt er die Frau, die aus Liebe zum Sohn eines Rabbi ihre Existenz aufs  Spiel setzt, die alles verliert und ganz allein nach Jerusalem aufbricht.
Mit seiner literarischen Rekonstruktion einer Geschichte von Liebe, Gewalt und religiöser Verfolgung ist Stefan Hertmans auch ein gegenwärtiger Roman gelungen.
Man spürt die Suche und die Unruhe des Autors, sie kommt aus der Gegenwart Europas. Das Thema ist zwar ein historisches, aber nach wie vor ist es aktuell und präsent. Mit Begeisterung für seinen Stoff erzählt Hertmans packend ohne reißerisch zu sein. Der Autor verzichtet auf Klischees und Schauerromantik des Mittelalters und der Kreuzzüge, es gelingt ihm die gefühlte Fremdheit überzeugend darzustellen. Der Roman zeigt nebenbei, das große Flüchtlingsströme in Europa seit über 1000 Jahren Alltag sind und Fremdheit eine Konstante in der europäischen Kultur ist.
Stefan Hertmans, ein Europäer, in der Kultur Europas fest verwurzelt, gibt Einblicke und Ausblicke in eine vielschichtige Gemengelage von Lebensformen in einem stark ausdifferenzierten Kulturraum.
Stefan Hertmans ist ein begnadeter Erzähler.

Die Moderation übernimmt diesmal eine Koryphäe der Literaturkritik, Sigrid Löffler, nicht nur dem Publikum bekannt durch die 12 Jahre ihrer Tätigkeit für das Literarische Quartett zusammen mit Marcel Reich-Ranicki, sondern auch durch ihre Jurytätigkeit beim Literaturpreis der Leipziger Buchmesse und der Jurytätigkeit des Heinrich-Heine-Preises.

Nach dem Gespräch und einer Pause spielt Ronny Kaufhold Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Literaturbüro und in Kooperation mit der Konrad-Adenauer Stiftung.

Auf Ihren Besuch freuen sich Ulrike und Stefan Behrens, Villa am See, Premnitz