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Villa am See
Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts

Sonderveranstaltung 10.11.2018 19:30 Uhr

Vortrag und Gespräch

Stefan Behrens
Aufklärung im 21. Jahrhundert
Das Projekt der Moderne, eine Illusion?

Nur bewahren wollen, Angst vor Veränderung, eine starke Hinwendung zum Gewesenen ist die Folge von einem großen Vertrauensverlust in unsere Zeit und in unsere Zukunft.
Ein nie wieder gut zu machender Fehler, ein abkapseln von den geistigen und technischen Fähigkeiten führt in eine Art neues Mittelalter.
Im 18. und noch im 19. Jahrhundert herrschte mehr geistige Freiheit und viel größere Beweglichkeit als im begonnenen 21. Jahrhundert. Damals suchte man noch aktiv nach neuen Horizonten. Es war die Zeit der Aufklärung.
Heute wird als erstes das Neue gebremst und bekämpft, weil es, am uns bekannten und geliebten Zustand, etwas ändert.
Wie ist es dazu gekommen,- eine Gegenaufklärung?
Unsichere Zeiten, Katastrophen für Individuen und Gesellschaften entstanden immer aus Zeiten des nur bewahren wollens.
Wenn wir wirklich verhindern wollen, dass eine Art neues Mittelalter heraufzieht, wie es eine größere Zahl von Wissenschaftlern und auch der Schriftsteller Umberto Eco meinen, hilft da eine neue Aufklärung?
Aufklärung allein reicht nicht!
Nur als bloße Vermittlung von Fakten ist die Aufklärung gescheitert. Die Aufklärung ist aber mehr als nur Faktenvermittlung. Viel zu wenige Menschen richten sich nur nach diesem Prinzip. Es fehlt ein ganz entscheidender Punkt, es fehlt ein Vertrauen um vom Wissen der Aufklärung zur Gewissheit zu kommen. Was vermittelt Gewissheit und Vertrauen im Wesentlichen: zwei Aspekte, Nachprüfbarkeit und Verantwortung. Das Übernehmen von Verantwortung ist in einer Massengesellschaft fast vollständig abhanden gekommen. Für falsche Entscheidungen, falsche Prognosen und Handlungen steht fast keiner mehr gerade. Alles bleibt folgenlos, als schuldig wird stets nur der Apparat und das System ermittelt. Ist die Krönung der Schöpfung, der einzelne Mensch, das Individuum, zum Objekt mutiert?
Wen wundert es da noch, wenn die Mehrheit sich frustriert zurückzieht und nur den gelebten Status behalten will. Der Herzenswunsch der Wiener um 1900 “Lieber Gott las mich nur so leben wie ich jetzt leb“ –immer über die an sich möglichen Verhältnisse- hat die gesamte Welt erfasst.
Was bleibt für den Einzelnen noch übrig, der Egoismus, das Schlupflöcher suchen zum eigenen Vorteil und Nachteil der Gemeinschaft?
Zukunft muss sich lohnen, sonst tut keiner etwas, ist die bittere Erfahrung der Moderne. Kann sich weniger trotzdem lohnen?
Das Projekt der Moderne ist an seine Grenzen gekommen, ohne eine neue Aufklärung führt der Weg zu gravierenden Erschütterungen und gesellschaftlichen Katastrophen. Die heutige Moderne ist längst eine veraltete historische Form geworden. Die Zeit nach der Moderne sucht noch ihren Namen.
Nachhaltigkeit und Beschränkung, Wissenschaft ohne Naturentfremdung, Verantwortung, Mitwelt und Mitleid anstelle von Umwelt, Wirtschaft ohne Naturzerstörung, die Herauslösung aus der Ökonomisierung des Politischen- sind Aspekte einer neuen Aufklärung - damit sich die Zukunft wieder lohnt.
Nach einem Überblick über die Entwicklung der Aufklärung und der Feststellung der Notwendigkeit einer neuen gesellschaftlichen, geistigen und moralischen Aufklärung und dem Aufzeigen der Fehlentwicklungen der Moderne, besteht die Möglichkeit zur Diskussion der Positionen.

Wir laden Sie ganz herzlich zu einer Grundsatzdiskussion, zu einem Disput über die Verortung von Werten und Wahrnehmung von Verantwortung ein.

Um Voranmeldung wird gebeten.